Kopfschütteln beim Baby – Eine Hebamme klärt auf

Zuletzt aktualisiert am 12. Oktober 2021

Baby wirft Kopf hin und her – Es gibt nicht wenige Situationen, die Eltern eines Babys beunruhigen. Eine davon ist, wenn das Baby ständig mit dem Kopf schüttet. Was am Anfang lustig aussieht und nur als Macke abgetan wird, löst doch nach einer bestimmten Zeiten Sorgen aus. Oft fragen sich die Eltern, warum das Baby das macht und was mit ihm nicht stimmt. Ist es vielleicht körperlich oder geistig nicht gesund? Vor allem, wenn es  diese Bewegungen beim Einschlafen macht und sich dabei an den Gitterstäben des Babybettchen anstößt, sind Eltern sehr beunruhigt und wollen schnell helfen. Tut so etwas nicht weh? Bleibt das für immer?

Baby wirft Kopf hin und her. Ist das normal?

Eins muss man wissen: wir alle sind immer wieder überfordert. Wir leben in einem Zeitalter, der von Stress gezeichnet ist. Und wir alle haben auch unserer Wege, wie wir uns entspannen können, sei es Sport oder ein anderes Hobby. Auch Kinder brauchen Entspannung und müssen herunter fahren. Gerade bei ihnen ist es so, dass sie jeden Tag viel Neues lernen und das auch verarbeiten müssen. Und auch Babys beruhigen sich, jeder auf seine Art und Weise. Doch wenn Daumen und Schnuller ein gängiges Bild ist, löst das Kopfschütteln eine gewisse Sorge aus. Ist diese gerechtfertigt? Das erfahren Sie hier.

Was ist das „Kopfschütteln“?

Das Kopfschütteln/-schaukeln/-schlagen (jactatio capitis), genauso wie das Körperwiegen in verschiedenen Positionen, also im Liegen/ Sitzen /Vierfüßlerstand (jactatio corporis) fällt unter den Begriff „Rhythmische Bewegungsmuster“, auch Jaktionen genannt. Diese stereotypen Bewegungen beginnen meistens ab dem 6. Lebensmonat. Bei 20% der Babys kann man diese beobachten. Dabei treten sie bei Jungs drei mal häufiger auf als bei Mädchen, was man bis heute nicht genau erklären kann. Kopfschütteln oder Kopfschlagen an harte Gegenstände ist zwar nicht das einzige stereotype Bewegungsmuster bei Babys, jedoch möchte wir in diesem Bericht diese Begriffe verwenden, obwohl die folgende Beschreibung auch auf andere rhythmische Bewegungsmuster zutreffen kann.

Ist mein Kind krank, wenn es den Kopf schüttelt?

Erst einmal muss man sagen, dass das Kopfschütten an sich kein Indiz für gesundheitliche Probleme ist und es gibt weit aus mehr Babys, als man denkt, die so ein Verhalten an den Tag legen.

Dennoch sollte man den Arzt aufsuchen, wenn das Kopfschütteln mit einem ängstigendem oder belastendem Ereignis im Zusammenhang steht oder das Kind in seiner Entwicklung hinterher hinkt. Außerdem ist eine ärztliche Untersuchung notwendig, wenn das Kopfschütteln erst nach dem 18. Lebensjahr beginnt oder nach dem 3. Lebensjahr nicht aufhört. Des Weiteren sollte man auch ärztlichen Rat suchen, wenn das Kopfschütten ausartet, also wenn das Kind sich dabei Verletzungen unterzieht. Es gibt nämliche auch gewisse Entwicklungsstörungen, wie z.B. Intelligenzminderung, Autismus oder Vernachlässigung, die unter anderen Symptomen auch das Kopfschütteln begleitet.

Ursachen für Kopfschütteln beim Baby

  • Unterhaltungsmethode – deinem Baby ist schlichtweg langweilig.
  • Gewöhnung – Es hat sich einfach an diese Bewegungen gewöhnt.
  • Aufmerksamkeit – Wenn Sie sehen, dass das Baby sich mit dem Kopf anstößt, greifen Sie natürlich ein. Das sieht das Baby als Aufmerksamkeit und wiederholt dieses Verhalten.
  • Frustration – Wenn Ihr Baby von seinen Emotionen, wie zum Beispiel Wut überrollt wird, braucht es ein Ventil. Die einen schmeißen sich auf den Boden und strampeln mit den Beinen, die anderen schreien wie am Spieß und die dritten beginnen eben mit dem Kopfschütteln/-schlagen.
  • Schmerzen – Babys können unter Schmerzen, zum Beispiel beim Zahnen oder einer Mittelohrentzündung leiden. Mit diesen rhythmischen Bewegungen wollen sie sich von den Schmerzen ablenken.
  • Entwicklungsproblem – Kopfschütteln oder -schlagen können Symptome sein, die mit einer Entwicklungsstörung einhergehen (s. oben).
  • Beruhigung – Das Baby muss sich immer wieder beruhigen, vor allem vor dem Schlafengehen. Die einen brauchen den Schnuller oder den Daumen oder eben die Eltern. Die anderen beruhigen sich durch einen bestimmten Rhythmus wie z.B. Kopfschütteln oder -schlagen. So können sie sich entspannen. Das ist gleichzusetzen mit Beruhigungsmethoden für Erwachsene, wie Tanzen, Spazieren gehen oder Musik hören.

Ist das Kopfschütteln oder -schlagen schmerzhaft?

Auch wenn sich bei uns wahrscheinlich schwindelig und übel werden würde, wenn wir den Kopf so schütteln würden, scheint es beim Baby genau das Gegenteil zu sein: Dem Baby wird es dabei eher gut als schlecht gehen, denn sonst würde es dieser Vorgehensweise nicht ständig wiederholen und dabei sich beruhigen und einschlafen. Tatsächliche Gefahr kann jedoch bestehen, wenn das Baby den Kopf gegen Gegenstände wie zum Beispiel das Gitter des Bettchen schlägt. Hier sollten die Eltern der Verletzungsgefahr entgegenwirken.

Wann geht das Kopfschütteln weg?

Diese Gewohnheit behält das Baby meistens über Monate. Bei manchen bleibt das Kopfschütteln oder – schlagen sogar über Jahre erhalten. Bis zum 3. Lebensjahr sollte das Verhalten jedoch von selber abgelegt werden.

Baby wirft Kopf hin und her. Wie kann ich ihm helfen?
Baby wirft Kopf hin und her. Wie kann ich ihm helfen?

Wie kann ich meinem Kind helfen?

Nicht schimpfen

Für das Kind ist dieses Kopfschütteln etwas positives. Wird es dafür ausgeschimpft oder bestraft, kann es nicht nachvollziehen, was daran schlecht sein soll und reagiert mit Wut, Unverständnis und Frustration.

(Keine) Aufmerksamkeit

Sogar wenn man nicht schimpft, sondern einfach nur auf das Kopfschütteln eingeht, ob durch Flasche geben oder Ablenken, verstärkt man dieses Verhalten. Dann das Kind sieht das als Aufmerksamkeit und macht es dann umso öfter. Sie sollten also dem Kind dann, wenn es diese Bewegungen nicht macht, viel Zuwendung, Lob, Kuscheln und Beschäftigungsideen anbieten. Das ist sehr wichtig, damit das Kind sich gesund entwickeln kann. Ansonsten ist es besser, sich wegen diesen Bewegungen nicht  zu stressen und sich keine Sorgen um das Wohlbefinden des Babys zu machen, denn wenn es anfängt schmerzhaft zu werden, wird es damit aufhören.

Bewegungen und Rhythmus

Es kann hilfreich sein, das Baby tagsüber mal so richtig auszupowern. Und da diese Bewegungen rhythmischer Natur sind, kann man Sachen, wie ein Metronom, rhythmisches Klatschen, tickende Uhren oder Tanzen als Alternative anbieten.

Schlafritual

Beruhigende Rituale vor dem Schlafen gehen sind wichtig. Sei es eine Babymassage, ein beruhigendes Bad, Vorlesen, Lieder, Musik, kuscheln, wiegen, usw.

Vorsichtig sein

Die größte Gefahr ist hier wahrscheinlich, dass das Baby sich beim Kopfschlagen am Bettgitter verletzt. Das können Sie vorbeugen, indem Sie den Rand auspolstert. Sie müssen aber aufpassen und sehr gewissenhaft vorgehen. Es darf sich nichts lösen oder extra Kissen, Schnüre und ähnlichem haben, denn dann entsteht Strangulation- und Erstickungsgefahr. Wichtig ist es auch, das Bettgestell auf lockere Teile wie z.B. Schrauben zu überprüfen. Man kann sich natürlich aber auch nur für eine Matratze ohne Bettgestell entscheiden.

Meine Erfahrungen mit dem Kopfschütteln bei Babys

Meine eigenen Erfahrungen sind hier folgende: Beim Einschlafen oder sogar schon im Schlaf hat sich mein Sohn hingesetzt, hat rhythmisch gewippt und „Backe backe Kuchen“ gesungen. Nach ca. 1 Minute hat sie sich wieder schlafen gelegt. Natürlich war das für uns als Eltern am Anfang etwas seltsam, aber wir haben uns daran gewöhnt. Bleiben Sie also ruhig, wenn Ihr Kind eigene rhythmische Einschlafrituale entwickelt.

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2 Gedanken zu „Kopfschütteln beim Baby – Eine Hebamme klärt auf“

  1. Danke für den Artikel! Hatte mich schon ertappt, selbst den Kopf zu schütteln … Oh weia! Jetzt kann ich ein wenig besser damit umgehen, haben unsere Abend-Rituale umgestellt und laaaaangsam wird es besser.

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