Trotzphase hoch 3: Wenn die Kleinsten zu trotzen beginnen

Zuletzt aktualisiert am 15. Dezember 2021

Die Trotzphase – Erziehung könnte so leicht sein, wenn Kinder immer nur harmoniebedürftig durch ihre kleine Welt tapsen würden. Doch so ist es nicht. Kinder entdecken schon früh Ihre eigene kleine Persönlichkeit und merken schnell, dass sie für das, was sie möchten, kämpfen müssen. Und das tun sie auch. Insbesondere im Alter von zwei bis 4 Jahren. In dieser Zeit kommt auf die Eltern eine große Herausforderung zu: Die Trotzphase.

Jede noch so kleine Unstimmigkeit kann ein riesen Gebrüll, Wutanfälle oder auch Beleidigung auslösen und bringt Eltern auf die Palme.

Aber warum machen die Kinder so etwas? Warum stehen sie sich selbst so im Weg? Was habe ich falsch gemacht, dass mein Kind sich so verhält? Gebe ich ihm zu wenig Liebe und Aufmerksamkeit? Was muss ich tun, um meinem Kleinen alles zu geben, was er braucht, aber nicht alles, was er will? Wo muss ich Grenzen setzen und wie kann ich ihm helfen aus seinem Wutanfall rauszukommen?

 

Trotzphase: Was muss ich tun?

Das wichtigste hierbei ist, das Verhalten des Kindes zu verstehen. Man benötigt einen Leitfaden für die Erziehung des Kindes und hierbei ist es wichtig, die Besserwisser, die in der Familie oder auf dem Spielplatz lauern, zu ignorieren.

Kinder möchten von Tag zu Tag mehr lernen und ihre eigene Umwelt intensiver erfahren und entdecken. Dabei wird es immer mehr und deutlicher seine Bedürfnisse zum Ausdruck bringen und Sie herausfordern.

Beachten Sie jederzeit, dass Sie als Eltern sich Zeit und Freiräume nehmen, denn so ein Kind im Trotzalter kann richtig anstrengend werden! Verlieren Sie sich selbst nie aus den Augen und nehmen sich Zeit für sich, um neue Energie für den nächsten Trotzanfall tanken zu können.

 

Kinder benötigen Zeit, um sich entwickeln zu können!

 

Ab wann beginnt die Trotzphase?

trotzender Junge in der Trotzphase.
Es gibt nicht „die große Trotzphase“. Viel mehr gibt es immer wieder kürzere Phasen, in denen dein Kind einen Entwicklungssprung macht.

In den ersten Wochen ist Ihr Baby noch eins mit Ihnen. Sie lernen sich gegenseitig kennen und sind vertraut miteinander. Nun beginnt es aber langsam zu begreifen, dass es durch sein Verhalten etwas bewirken kann. Im täglichen Austausch mit Ihnen merkt es, dass Sie auf seine Signale reagieren. Wenn es schreit, füttern Sie es oder wenn es lacht, lachen Sie zurück. Sie beschäftigen sich mit ihm und wenn es die Hand nach etwas ausstreckt, reichen Sie es ihm. Sie „spiegeln“ somit das Verhalten Ihres Babys, welches sich dadurch immer mehr lernt, selbst zu empfinden.

Schon nach den ersten 3 Monaten beginnt es, seinen Körper als etwas Eigenes zu erfahren. Es entdeckt das Hören, Sehen und Fühlen. Die Vorstellung von sich selbst kommt immer mehr zum Vorschein.

In den nächsten Monaten geht alles sehr schnell. Das körperliche Selbstwertgefühl entwickelt sich immer mehr und Ihr Baby begreift, dass es eine eigenständige Person ist, die etwas selbst tun und auch etwas damit bewirken kann.

Bereits ab dem zweiten Lebensjahr beginnt langsam die Entwicklung des eigenen Willens. Die ersten Tränen der Enttäuschung kullern, als Mama beginnt Grenzen zu setzen. Ihr Kleinster robbt Richtung Küchenschrank und versucht das erste Mal die Schublade mit den vielen spannenden Sachen leerzuräumen, aber Mama verbietet es. Nun beginnt die Zeit des Widerstandes.

Ab zwei Jahren erkennt sich Ihr Kind das erste Mal im Spiegel. Es weiß nun, dass dies kein Spielpartner, sondern es selbst ist. Diese Erfahrung ist überwältigend und erniedrigend zugleich. Es lernt, dass es schon viele Sachen selbst tun kann. Das probiert es auch ständig aus, wobei die Enttäuschung dann groß ist, wenn es nicht bei allem so gut klappt.

Kinder ab zwei Jahren kommen nun in die Trotzphase. Sie möchten alles alleine tun und überfordern sich damit meist. Sie werden überflutet von den vielen Emotionen mit denen sie noch nicht alleine fertig werden können.

Konflikte und Familienkrisen entstehen in dieser Zeit besonders oft, was für die Eltern, aber auch für das Kind, nicht immer leicht ist.

Die Trotzphase kann sich hinausziehen, bis Ihr Kind ungefähr 4 Jahre alt ist. Aber keine Sorge, meist verschwindet sie für einige Zeit und kommt dann zu einem späteren Zeitpunkt nochmal wieder.

In der Zwischenzeit machen Kinder noch viele schöne Entwicklungsschritte, die von den brüllenden Wutanfällen ablenken.

Wichtig in diesem Alter ist, dass Eltern Grenzen setzen und Regeln aufstellen. Dies schränkt Ihr Kind nicht immer nur ein, es bietet ihm, je älter es wird, auch Halt und Orientierung. Es testet Grenzen, wobei aber ein freundliches „Ja“ ebenso wie ein klares, entschiedenes Nein erforderlich ist.

 

Woran erkenne ich die Trotzphase bei meinem Kind?

Viele Eltern fragen sich: „Ist das diese Trotzphase von der alle sprechen?“ Woran erkennt man sie? Sind die Anzeichen immer gleich?

Nein!

Kinder durchlaufen alle ihre eigene Trotzphase. Während die einen sich im Supermarkt auf den Boden schmeißen, wild trampeln und schreien, ziehen sich andere Kinder beleidigt zurück oder beginnen zu weinen. Jedes Kind ist anders und geht auch anders mit seinen Gefühlen um.

Dennoch gibt es einige Anzeichen, die offensichtlich auf eine Trotzphase deuten. Davon müssen nicht alle auftreten und meist treten sie auch nicht gleichzeitig auf. Sie als Eltern müssen aufmerksam beobachten, um zu erkennen, ob Ihr Kind sich zurzeit in der Trotzphase befindet.

Typische „Symptome“ können sein:

  • Das Kind zeigt eine geringe Frustrationstoleranz und gibt nach dem ersten Versuch schon auf
  • Bei der geringsten Frustration beginnt das Kind an zu weinen, zu schreien oder auch mit den Füßen zu strampeln
  • Das Kind lässt sich zornig auf den Boden fallen und verleiht seiner Wut somit Ausdruck
  • Forderungen, Bitten oder Regeln werden absichtlich missachtet
  • Das Kind rebelliert und stellt sich gegen seine Eltern auf / widerspricht ihnen
  • Alltägliche Dinge wie Windeln wechseln oder Anziehen werden zur Tortur, da das Kind beginnt sich mit Händen und Füßen zu wehren
  • Ganz gleich was man verlangt, das Kind macht stets genau das Gegenteil
  • Wutanfälle treten vermehrt auf
  • Bei sprachlicher Kompetenz: Sätze wie „Ich will das nicht!“ und „Ich kann das nicht!“ oder „Nein!“ sind die Antwort auf jede Frage

Die Trotzphase ist, wie schon beschrieben, bei jedem Kind anders. Diese Anzeichen sind jedoch eindeutig, sodass Sie als Eltern sich sicher sein können, dass nun die Ruhe vor dem Sturm vorüber ist und es los geht. Die durchschnittliche Dauer der Phase beträgt ungefähr 2 Jahre, was aber nicht bedeutet, dass dies ein Dauerzustand ist. Keine Sorge, es ist eine „Phase“, die kommt und geht.

 

Trotzphase – Was tun? Grenzen setzen ist das A und O

Auch wenn es nicht immer einfach ist, Eltern müssen Grenzen setzen! Oft schaut man über Dinge hinweg, damit man das schrillende Geschrei danach nicht wieder ertragen muss. Eltern schlucken Ihren Ärger runter oder scheuen sich vor Konflikten, damit der kleine Trotzkopf nicht wieder an die Decke geht. Pädagogisch sinnvoll ist es jedoch nicht. Kinder brauchen Ordnung und Struktur in Ihrem Leben und dazu gehören auch Grenzen. Sie erfahren dadurch Sicherheit und Halt, weshalb es unabdinglich ist ihnen frühzeitig Grenzen zu setzen.

Kinder provozieren, damit Eltern reagieren! Ihre Kleinsten fordern es förmlich heraus, um zu testen, ob Mama und Papa noch den Durchblick haben. Für Eltern ist es oft ein großer Energieaufwand Kindern etwas zu verbieten, da sie dann mit den Konsequenzen leben müssen – Protest und Geschrei. Doch Eltern müssen sich erstens einig sein und zweitens Kontinuität zeigen. Was heute erlaubt ist, darf morgen nicht eine Lawine von Vorwürfen auslösen. Kinder lernen dadurch nicht, was richtig und was falsch ist. Sie denken, dass sie die Reaktion sowieso nicht vorhersehen können, egal was sie tun.

Viele Eltern haben Angst, dass sie die Liebe ihrer Kinder aufs Spiel setzen, wenn sie Grenzen setzen. Dem ist jedoch nicht so. Grenzen sind nicht nur Gitterstäbe, die das Kind aufhalten sollen etwas zu tun, es sind auch Schutzgitter, die dem Kind Geborgenheit zeigen und Sicherheit geben. Die liebevolle, umsorgte Umgebung soll nicht regellos sein, dies verunsichert Kinder nur. Je mehr Grenzen und Regeln Zuverlässigkeit bieten, umso besser halten Kinder ihren eigenen Krisen stand.

 

Wie lange geht die Trotzphase?

Erziehung ist nicht leicht, das hat nie jemand behauptet. Aber mit den richtigen Handlungsstrategien kann man sich auf den langen Weg, gemeinsam mit dem Kind begeben und neue Erfahrungen sammeln.

Die enge Verbindung zwischen Mutter und Kind ist wichtig, dennoch sollten auch Sie als Eltern stets daran denken, genügend Freiraum für sich selbst zu schaffen, um neue Energie zu tanken oder sich auch einfach nur abzusprechen, wie der Erziehungsverlauf gemeinsam gemeistert werden kann.

Nur glückliche Eltern können ihrem Kind die Liebe geben, die es benötigt, um Sorgenfrei und erfahrungsreich aufwachsen zu können.

 

Weitere Informationen unter:

https://www.aok.de/pk/magazin/familie/kinder/trotzphase-beim-kind-7-tipps-fuer-eltern/

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