Das erste Mal Eltern werden – wie sich die Beziehung verändert

Unsere eigenen Eltern spielen eine sehr große Rolle, wenn es darum geht, wie wir selbst unsere Kinder erziehen wollen.  Entweder sind sie unser großes Vorbild und wir freuen uns über ihre Ideen oder aber, was viel häufiger der Fall ist, wir finden es fast unerträglich, dass sie sich ständig einmischen.

Für unsere Eltern gilt das andersherum genauso. Sie finden es meist unerträglich, dass sie sich nicht einmischen dürfen. Wenn Sie als Paar aus dieser Misere raus wollen, dann versuchen Sie sich bei Ihren Eltern zu bedanken und bitten sie darum, dass Sie sie dahingehend unterstützen, Ihren eigenen Weg als Eltern zu gehen. Als Paar müssen Sie sich darüber im Klaren sein, dass Sie ab jetzt die Entscheidungen treffen, und zwar gemeinsam, ohne die Eltern.

Vielfach ist der Alltag nur zu meistern, weil Ihre Eltern Sie darin unterstützen auf die Kinder aufzupassen. Das ist wunderbar und gut für die Kinder, solange man selbst klar die Verantwortung für die Erziehung der Kinder übernommen hat. Nichts wird so oft diskutiert wie das Thema Kinder brauchen Grenzen. Wer sagt, dass sie diese Grenzen brauchen und was heißt das eigentlich?

Streitende Eltern.
Kaum ist das Kind da, ergeben sich völlig andere Sichtweisen und der Streit ist vorprogrammiert.

Muss man Kindern eigene Grenzen aufzwingen?

Heißt es, dass wir ihnen beibringen, die eigenen Grenzen zu achten und eventuell auch zu überwinden? Geraten Sie mit Ihrem Partner auch ständig in Konflikte über die Grenzen der Kinder?

Beginnen Sie am besten über Ihre eigenen Grenzen nachzudenken. Kennen Sie Ihre Grenzen? Sind Sie geübt darin, Ihre Grenzen zu überwinden? Welche Grenzen sind wirklich echt und unüberwindbar? Als Erwachsene werden wir aufgefordert, über unsere Grenzen hinaus zu gehen, aber den Kindern setzen wir sie. Warum ist das so und macht das überhaupt Sinn? Natürlich geben Grenzen auch Sicherheit und Halt. Und wie Wasser erst im Glas trinkbar wird und ohne Grenzen (also ohne Glas) einfach wegfließt, sind auch die Kräfte in uns und unseren Kindern innerhalb gewisser Grenzen stärker und effektiver.

Eine einfache Lösung von richtig und falsch gibt es nicht und es bleibt sicher als Thema für jede Generation neu erhalten. Wenn wir gemeinsam unsere Kinder erziehen wollen, müssen wir uns auch dem Thema Verzicht stellen. Denn vieles, was vorher ausreichend oder sogar in Überfülle vorhanden war, wird plötzlich zur Mangelware. Es geht hier um ganz elementare Dinge wie genügend Schlaf oder die eigene berufliche Karriere aber auch um das alltägliche Erleben, wie in Ruhe zu duschen oder einen Gedanken zu Ende denken.

Natürlich folgt dann sofort der Ruf nach gerechter Verteilung der noch vorhandenen Ressourcen!

Wer verzichtet auf den Schlaf, die Karriere, die ruhige Dusche und die eigenen Gedanken? Schaffen Sie es als Paar gemeinsam den Ausgleich für den Verzicht zu realisieren? Brauchen Sie Hilfe von anderen?

 

Gemeinsam Lösungen finden

Eine Reinigungskraft oder Haushaltshilfe kann z.B. manchmal die bessere Paartherapie sein.

Wenn es Ihnen gelingt, gemeinsam ein Bewusstsein für Verzicht und Gerechtigkeit zu schaffen, dann sind Sie stark als Eltern und die Freude über die Kinder tritt in den Vordergrund. In den meisten Familien ist es immer noch die Mutter, die sich überwiegend um die Erziehung der Kinder kümmert, während der Vater seinem Beruf nachgeht.

Unterschiedliche Erziehungsstile ergeben sich allein aus der Nähe oder Distanz zum Kind. Mütter sind oft für die lästigen und unangenehmen Dinge im Leben des Kindes zuständig. Sie quälen sich beim Zähneputzen, gehen gewissenhaft zu allen vorgeschriebenen Vorsorgeuntersuchungen, bringen ihr Kind zu Therapien oder zum Arzt und beobachten, dass es bei einer Erkrankung regelmäßig die verordnete Medizin einnimmt. Deswegen können sie das Kind oft realistischer einschätzen als der Vater und sind häufig auch konsequenter in der Erziehung, um sich nicht in tägliche Kleinkriege und Streitereien zu verstricken.

Die Väter hingegen wollen ihrem Kind in der knapp bemessenen Freizeit, die sie haben nahe sein und sich sozusagen bei ihm beliebt machen, und treffen deswegen ungern negative Entscheidungen. Väter sind daher oft nachgiebiger und gelassener. Sie sind häufig zuständig für das Toben und Rennen, das Spielen und Bauen, für abenteuerliche und sportliche Unternehmungen. Ist in einer Familie die Aufteilung anders, dass die Mutter arbeiten geht, während der Vater zu Hause ist, ist meist der Vater konsequenter in der Erziehung! Aber auch die Herkunftsfamilien prägen die Erziehungsstile. Jedes Elternteil bringt seine eigene Lebensgeschichte mit.

Je nachdem, wie es früher zu Hause zuging, wird man entweder vertraute Muster aus seiner eigenen Erziehung übernehmen oder aber sich ganz bewusst dagegen entscheiden und alles anders machen wollen. Haben Sie z. B. früher unter Ihrem strengen Vater gelitten und häufig Angst vor ihm gehabt, möchten Sie es jetzt bei Ihrem Kind besser machen und sind deshalb vielleicht eher zu nachsichtig. Ihr Partner versucht möglicherweise im Gegenzug Ihre Nachsicht auszugleichen, indem er einen eher strengeren Erziehungsstil praktiziert.

In einer Familie können die einzelnen Familienmitglieder nicht isoliert betrachtet werden. Jeder ist von jedem abhängig. Das gilt auch für die Erziehung. Gibt es unterschiedliche Erziehungsstile, kann das sogar zu einem richtigen Teufelskreis führen. Je strenger und konsequenter sich das eine Elternteil verhält, umso mehr versucht beispielsweise der andere, die „Härte“ auszugleichen, und ist besonders nachgiebig.

Das verunsichert wiederum die Kinder, die nun oft nicht mehr wissen, wie sie sich verhalten und wem sie folgen sollen.

Opa mit Baby.
Auf wen soll man nun hören? Auf seinen Partner oder die eigenen Eltern? Diese Zwickmühle zerrt an den Nerven.

 

Welche Ursachen gibt es hierfür?

Die Frage nach der Ursache ist müßig. Wichtig ist, dass diese Eskalationsspirale an jedem Punkt beliebig unterbrochen werden kann und dies auch von allen Beteiligten gemacht werden muss.  So etwa kann der bisher ausgleichend nachgiebigere Elternteil nun bewusst strenger sein. Nicht selten wird dann der bisher strengere Teil plötzlich nachsichtiger reagieren.

Auch wenn Eltern also unterschiedliche Erziehungsstile leben, dürfen sie sich nicht gegenseitig in den Rücken fallen. Sie sollten sich zumindest über die grobe Richtung verständigen, in die ihre Erziehung gehen soll. Wenn Eltern sich meist einig sind, ist dies eine eindeutige und sichere Wegweisung für das Kind, dies betrifft zum Beispiel die Werte, die Eltern in die Seele ihres Kindes verankern möchten. Es verunsichert ein Kind, wenn der Vater für wehren und zurück schlagen ist, während die Mutter aber zur Friedfertigkeit ermahnt.

Ebenso wenn der Mutter gute Tischsitten wichtig sind, der Vater es aber lustig findet, bei den Mahlzeiten zu rülpsen und auch den Nachwuchs dazu ermuntert. Schwierig ist es auch, wenn der Vater eine konsumkritische Haltung hat, die Mutter aber jedem Wunsch des Kindes nachgibt oder auch umgekehrt. Wo die Ansichten der Eltern so weit auseinander gehen, geht es nicht ohne Kompromisse und ein Gespräch. Für Kinder ist es dabei durchaus eine gute Erfahrung, wenn sie erleben, dass die Eltern miteinander diskutieren und eine Lösung finden.

 

Niemals vor den Kleinen streiten

Nicht optimal ist es dagegen, wenn Eltern ständig vor dem Kind über Erziehung streiten und jeder bei der Auseinandersetzung Recht haben möchte. Dies kann beim Kind sehr schnell Schuldgefühle auslösen, weil es sich als Ursache für den Streit erlebt. Neben der fehlenden oder ungesunden Gesprächskultur lauert noch ein weiterer Stolperstein auf Eltern.

Wenn sie ihre unterschiedlichen Erziehungsstile missbrauchen, um sich beim Kind beliebt zu machen, ist dies kein Miteinander, sondern eher ein Gegeneinander. Dies passiert leicht bei unterschwelligen Konflikten zwischen den Eltern und auch bei Trennungen. Eltern sollten der Versuchung widerstehen, ihr Kind zum Komplizen zu machen!

Sätze wie: „Ich weiß, dein Vater möchte es eigentlich nicht, aber das musst du ihm ja nicht erzählen“, sind in der partnerschaftlichen Erziehung fehl am Platz!

So bringt man sein Kind in einen schlimmen Konflikt zwischen der Loyalität zur Mutter oder zum Vater entscheiden zu müssen, um zugleich das andere Elternteil zu verraten. Wenn Eltern sich bei solchen Dingen ertappen oder sich immer wieder über die Erziehung streiten, ohne Lösungen zu finden, könnte eine Paar-Beratung helfen, unterschwellige Konflikt Auslöser aufzudecken.

 

Weniger Ratschläge, mehr Begleitung

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Sie als Eltern wissen, es gibt keine universellen Erziehungsmuster, die auf alle Kinder dieser Welt passen. Ein Kind bestmöglich groß zu ziehen bedeutet, es als individuelles kleines Wesen zu sehen, das einzigartig ist und dem man auf dem Weg ins Leben entgegengeht, statt zu erwarten, dass es seinen Dienst des Lebens antritt, wo es stramm stehend Befehle verinnerlicht, die es ohne eigenes Denken zu befolgen hat.

Natürlich sollten Sie auch darauf achten, Ihren Kindern die Dinge nahe zu bringen, die es braucht, um sich in dem sozialen Miteinander seiner Umwelt anpassen zu können, statt nur die Außenseiterrolle zu haben, aber das muss selten wirklich trainiert werden, denn soziale Anpassung geschieht größtenteils von allein, durch den Umgang mit anderen Menschen.

In all die Gedanken, wie wir nun unsere Kinder erziehen möchten, damit ihnen der Schritt ins später eigene Leben so einfach wie möglich gelingt, hagelt es nun von Geburt des Kindes an, von allen Seiten immer wieder gut gemeinte Ratschläge, die wir vielleicht anfangs noch gern hören. Mit der Zeit tut sich allerdings etwas im Inneren eines jeden Vaters und einer jeden Mutter, was dazu führt, dass man „dicht“ macht.

Egal, ob der Vorschlag oder Tipp hilfreich sein könnte, man will ihn einfach nicht mehr hören. Man kann ihn nicht mehr hören! Innerlich spannt sich alles an und weckt nicht selten Wut, welche oft dann auf einmal wie ein Vulkan an die Oberfläche drückt und sich mit einem lauten Knall entlädt. Doch nicht zu selten kommen diese gut gemeinten Ratschläge auch vom eigenen Partner.

Ob es nun um die Schlafposition des Babys geht, die endlose Diskussion, warum das Baby denn einen Schnuller bekommt oder wieso man nicht bereit ist, den Säugling schreien zu lassen, all dies kann den Partner dazu veranlassen, in die Ratgeber Position zu kommen.

 

(Un)gewollte Ratschläge

Jeder weiß und kann es besser. Es kann sich wie ein roter Faden durch das Leben des Kindes ziehen, wenn man als Mutter oder Vater aus Höflichkeit schweigt, um die ungebetenen Ratgeber nicht zu beleidigen.

Natürlich sind die jungen Eltern aufgebracht und wollen ihre erzieherische Autorität bewahrt wissen. Das sich ständige Widersetzen der Verwandten oder auch dem Partner, wird wie ein Machtkampf empfunden.  Wichtig dabei ist, um die eigenen Nerven zu schonen, immer ruhig und sachlich zu bleiben! Wenn jeder unterschiedlich erzieht und seine Tipps mit einbringt, verwirrt man die Kinder nur damit. Selbstbewusst aufzutreten, ist nicht immer leicht. Jeder von uns wurde zu Höflichkeit erzogen und es fällt einem daher oft schwer, sich gegen den anderen aufzulehnen.

„Nein“ zu sagen, ist immer ein wenig wie vor den Kopf zu stoßen. Dennoch sollte man sich auch klar machen, dass Höflichkeit an der falschen Stelle, zu Lasten der Kleinsten gehen könnte. Helfen alle guten Worte nicht und die Einmischungen hören nicht auf, sollte man sich zusammen setzen und offen darüber sprechen.

Familie im Schnee.
Letztendlich geht es doch nur um eines: Um die Liebe und den gegenseitigen Respekt. Gemeinsam kann man alles schaffen!

Fazit: Liebe und Respekt

Besonders in der Partnerschaft ist es wichtig sich im Klaren darüber zu sein, dass Ratschläge nichts bringen, sondern man einen gemeinsamen Weg finden muss, wie man das Kind erziehen möchte! Jeder von Ihnen kennt sicherlich die Redewendung „Ratschläge sind auch Schläge!“ Und genau dies sollte man in einer Familie vermeiden!

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