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Sanfte Eingewöhnung in die Kita & Tagespflege

Sanfte Eingewöhnung in die Kita & Tagespflege.

Kinder überraschen uns tagtäglich mit neuen Ideen und unvorhersehbaren Situationen. Bei der Eingewöhnung in Kita oder Tagespflege kann es ebenso sein. Besonders scheint jedoch, dass jeder Familie immer wieder neue Fragezeichen auf der Stirn geschrieben stehen und diese anscheinend keiner beantworten kann, ganz nach dem Motto: „Jedes Kind ist eben anders!“ Beeindruckend ist gleichzeitig, dass viele jener gleichen Fragezeichen in verschiedenen Familien auftreten. Im Folgenden werden einige dieser Fragen kurz und praktisch beantwortet.

 

„Wir haben das schon immer so gemacht …“

… ja, dieser Standardsatz lässt Eltern bereits schon manchmal in den ersten Momenten des Kita-Besuches aus der Haut fahren. Aber was steckt wirklich dahinter? Schaut man sich die Welt der Wissenschaft zum Thema Krippe an, so wird schnell klar, woher der Wind weht. Weltweit gibt es gerade einmal sieben Studien zum Thema „Krippe“.

In den 80er Jahren wurde in einer Untersuchung festgestellt, dass vor allem Kinder im Alter von 0-3 gravierende Langzeitschäden davon tragen, werden sie am ersten Krippentag „einfach so“ abgegeben. Infans entwickelte daraufhin das Berliner Eingewöhnungsmodell, welches dem Kind die Möglichkeit gibt, sich langsam an die neue Bezugserzieherin zu gewöhnen. In Norddeutschland wird dieses Modell fast Lücken schließend praktiziert, während man sich in vielen Ländern über solch ein Thema kaum Gedanken macht.

Da der alltägliche Zeitruck mittlerweile auch in Kitas zu finden ist, wird jedoch leider bei diesem Modell manchmal insofern „gemogelt“, als dass beispielsweise zwei oder mehr Kinder gleichzeitig eingewöhnt werden.

Eine weitere wichtige Studie neueren Datums ist die Wiener Kinderkrippenstudie* (2007-20012), welche Kleinkinder ganz detailliert bei der Eingewöhnung beobachtete. Die Ergebnisse warnen Praktiker beispielsweise davor, die Eingewöhnungszeit zu verkürzen.

 

Bin ich eine schlechte Mutter/Vater, wenn mein Kind fremd betreut wird?

Dieser Gedanke schwirrt durch viele Köpfe von besorgten Eltern. Zum einen möchte man für sein Kind 100% dasein und auf der anderen Seite kommt man jedoch im Alltag schnell an seine eigenen Grenzen. So spielt in vielen Familien der finanzielle Aspekt eine maßgebende Rolle. Ein zweites Einkommen wird unbedingt für die Haushaltskasse benötigt.

Andere Eltern entscheiden sich jedoch bewusst für eine Fremdbetreuung, da sie bemerken, dass ihr Kind einfach zu Hause nicht ausgelastet ist.

Letzteres lässt sich vor allem damit begründen, dass es in der heutigen Gesellschaft gar nicht so einfach ist, auf Kindergruppen zu stoßen. Viele Eltern berichten immer wieder von ihrem fast schon verzweifelten Versuch, früh gegen 10.00Uhr andere Kinder (ab 1,5 Jahre) auf dem Spielplatz zu treffen. Natürlich ist das schwierig. Schließlich gehen die meisten Kinder ab einem Alter von 12-14 Monaten in eine Kita oder Tagespflege.

Kinder brauchen jedoch Kinder, um wichtige Dinge für ihr Leben zu lernen. Schließlich sprechen sie ihre eigene Sprache, in welcher sie die Welt auf eigene Faust erkunden werden. Unsere Aufgabe als Eltern besteht neben Liebe, Schutz und Zuwendung oft auch darin, ihnen einen Rahmen für eigene Abenteuer zu schaffen.

 

Welches Alter ist ideal für die Eingewöhnung?

Aus finanzieller Sicht ist es für viele Familien auf Grund des Elterngeldes nicht anderes möglich, als ihren Liebling mit ca. 12 Monaten in die Fremdbetreuung zu geben. Aber ist dies aus Sicht der Kinder wirklich so ideal?

Mit 12 Monaten beginnen die Sprösslinge noch schneller auf Entdeckungsreise zu gehen. Aus diesem Grund wird eher mehr Sicherheit durch die Anwesenheit der Mama benötigt, als dass ausgerechnet jetzt noch eine neue Bezugsperson mit ins Spiel kommt. Eine Eingewöhnung ab 1,5 Jahre scheint in diesem Zusammenhang sinnvoller und stressfreier für die Kinder.

 

Ab wann kann ich mein Kind allein bei der ErzieherIn lassen?

Viele Kinder zeigen ihre „Bereitschaft“ durch eigene Kontaktaufnahme mit der Fachkraft. Vielleicht tauschen sie gemeinsam Bausteine aus? Lachen gemeinsam? Vielleicht wir die ErzieherIn einfach nur per Handschlag begrüßt?

Dies wäre ein optimaler Zeitpunkt, sich für ein paar Momente aus dem Raum zu entfernen. Die Zeit zu verlängern oder gar die Kita zu verlassen ist erst empfehlenswert, wenn sich das Kind durch die neue Bezugsperson auch trösten lässt.

Nur das „Weinen“ des Kindes bei Weggang der Mutter sollte nicht unbedingt als eindeutiges Zeichen für Probleme gesehen werden.

 

Warum ist die Eingewöhnungszeit oft auf 14 Tage beschränkt?

Beim Unterschreiben eines Betreuungsvertrages steht meist an einer Stelle, dass die Eingewöhnung nach 14 Tagen spätestens abgeschlossen ist und nun die Verantwortung, sprich Aufsichtspflicht komplett in den Händen der ErzieherIn liegt. Aus diesem Grund folgt manchmal irrtümlicher Weise, der Trugschluss, die Eingewöhnung, unabhängig von der individuellen Situation des Kindes als beendet zu erklären.

Was spricht dagegen, sein eigenes mütterliches Unwohlsein gegenüber der ErzieherIn zu äußern? Warum nicht noch 2, 3 Tage dran hängen?

Dies bedeutet jedoch auch für Eltern, dass es nicht empfehlenswert ist, nur zwei Wochen bevor wieder der Arbeitsplatz wartet, mit der Eingewöhnung zu beginnen.

 

Mein Kind schreit bei der Eingewöhnung gar nicht. Hat es keine feste Bindung zu mir?

Dies erwies sich als voreiliges Bedenken vieler Mütter, denn Forscher zeigten in der Wiener Kinderkrippenstudie, dass genau dieses Verhalten oft einfach fehlinterpretiert wird.

Kinder, welche ihr Bindungsverhalten nicht durch schreien zeigen, werden schnell als quasi “erfolgreich eingewöhnt” abgestempelt. Dies hat zur Folge, dass sie seitens der ErzieherInnen nicht soviel Trost und Zuwendung bekommen, wie schreiende Eingewöhnungskinder. Aber ihr auffälliges (im Sinne von zurückhaltend) Verhalten bedarf mehr Aufmerksamkeit, damit auch bei diesen immerhin 20% der Kinder besonders die ersten Eindrücke des wichtigsten Ereignis im Leben eines Kleinkindes gut verarbeitet werden können.

Die Ergebnisse dieser einflussreichen Studie zeigen zudem, dass durch das “Nicht-Schreien” die Eingewöhnungszeit stark verkürzt wurde, was wiederum im Verlaufe der ersten Monate starken Einfluss auf das Wohlbefinden der Kinder hatte. Ein Appell also an alle Fachkräfte und Eltern, die kindliche Sprach nicht nach eigenen Vorstellungen und Ängsten zu bewerten.

Mein Kind freut sich immer so auf die Kita, dann beim Abschied das große Theater.

Hier lassen sich wieder zahlreiche Fragezeichen in den Köpfen besorgter Eltern erkennen. Wenn man an dieser Stelle noch gratuliert, werden die fragenden Blicke immer größer. Warum?

Nehmen wir an, wir haben keine Angst vor den Tränen unserer Kinder und mit Wut geladenen Energie, die hier dahinter steckt. Betrachten wir also die Reaktion unseres Sonnenscheins als Zeichen.

Das freudige Berichten über die Erlebnisse in der Fremdbetreuung zeigen, dass das Kind angekommen ist, denn es kann heiter an den Aktivitäten teilnehmen. Es profitiert im gewissen Sinne bereits von den Angeboten.

Der innere Konflikt des Kindes kommt jedoch an der Stelle zum Ausbruch, wenn Mama oder Papa mit ihm gemeinsam in der Kita stehen. Denn im Grund genommen möchte der Sprössling ja auf beiden Seiten gern Spaß haben. Dieser Zwiespalt äußert sich natürlich (manchmal bis zum 5. Lebensjahr) durch emotionales Verhalten.

Eltern können ihren Liebling bei der klaren Trennung insofern unterstützen, als das sie den Abschied relativ kurz, klar und regelmäßig machen: „Wir ziehen jetzt die Hausschuhe an. Ich bring dich zu Maria. Du winkst mir am Fenster. Ich hole dich nach dem Schlafen wieder ab.“

Kinder bekommen dadurch einen klaren Rahmen, in dem sie sich bewegen. Ebenso leisten Rituale wie am Fenster winken etc. altbewährte Dienste.

Am wichtigsten aber ist, dass auf Mamas Ansage Verlass ist und sie dann wirklich nach dem Schlafen kommt.

 

Ist die regelmäßige Betreuung des Kindes durch Babysitter & Co. eine gute Vorbereitung?

Ja natürlich, fragt sich nur für wen. Zum einen können beispielsweise die Mutter oder auch der Vater lernen, für einen Moment abzuschalten und ihren Schatz in guten Händen einer anderen Betreuungsperson lassen. Dies kann zum einen erfrischend für Partnerschaft sein, aber auch gleichzeitig für das Kind eine wertvolle Erfahrung.

Schließlich entwickeln Kleinkinder erst im Verlaufe ihres zweiten Lebensjahres, manchmal auch noch später, eine Vorstellung davon, wo denn Mama ist, wenn sie nicht zu sehen ist.

Für kleine Babys zum Beispiel ist eine Person komplett verschwunden, wenn sie mal nicht zu sehen ist.

Bei Kleinkindern rund um den ersten Geburtstag herum spielt jedoch eher die Erfahrung eine entscheidende Rolle: „Mama zieht mich an. Ich nehme Teddy und Schnuller, dann kommt die Frau mit der kuscheligen Jacke. Die sehe ich, während ich im Kinderwagen rumfahre und wenn ich die Augen aufmache, so sehe ich Mama [… denn der Babysitter hat das schlafende Kind wieder nach Hause gebracht…].“

In diesem Alter benötigen kleine Kinder einen festen Ablauf (Kita-Alltag) und sie erfahren im Laufe der Zeit, dass immer wenn zum Beispiel das Essen abgeräumt wird, auch gleich Mama zu sehen ist. Eine „Training“ mit anderen Betreuungspersonen kann diese Erfahrung nicht ersetzen.

 

Ist es sinnvoll den Kita-Rhythmus vorher mit dem Kind zu trainieren?

Nein, schließlich ist ein Tag in der Kita viel zu verschieden, als dass alltägliche Routine zu Hause von den Kinder mitgenommen wird. In der Tagespflege oder Kita bietet die Kindergruppe so viele bunte Eindrücke, dass manch ein Knirps bereits beim Mittagessen fast einschläft… Die Kinder stellen ihre eigene innere Uhr selbst um.

 

Warum weint mein Liebling, wenn ich komme, um ihn abzuholen?

„… und dabei hat sie den ganzen Tag nicht geweint. Es ist alles super gelaufen.“ – Dieser Satz folgt meist auch prompt von der Erzieherin. Eltern werden dabei manchmal skeptisch.

Dieses Phänomen ist gerade bei kleinen Kindern (bis ca. 1,5 Jahre) zu beobachten. Sie haben die neue BezugserzieherIn akzeptiert und gewöhnen sich nun auch Schritt für Schritt an den neuen Rhythmus im Getümmel der Kinder.

Trotzdem bleib nach wie vor immer ein bisschen Spannung, teils auch unbewusst übrig. So ganz nach dem Motto: „Ob meine Mama auch wirklich wiederkommt?“ Erscheint Mama dann auf der Bildfläche löst sich natürlich dieser Zweifel jedes Mal auf´s neue. Das geschieht oft durch „Freudentränen“.

Wäre ein Kommentar wie: „Siehst du, Mama kommt immer wieder …“ passend?

 

Was wäre eine wirklich sanfte Eingewöhnung?

Als sanft wird jene Eingewöhnung von der Wiener Kinderkrippenstudie beschrieben, welche langsam und in hoher Qualität (kleine Gruppen, guter Erzieherschlüssel) durchgeführt wird, so dass die Stressbelastung für das Kind bereits nach kurzer Zeit in der Kita wieder absinkt (während der ersten Monate). Forscher berichten, dass nach ca. drei Monaten langsam eingewöhnte Kinder insgesamt ein positiveres Verhalten gegenüber Kindern und ErzieherInnen zeigen.

Auch langfristig gesehen erleben sie weniger Stress, weinen dadurch weniger, fühlen sich insgesamt wohler und sind offener für neue Lernerfahrungen.

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Quellen:

* Naranjos, N.: Eingewöhnung in Kita & Tagespflege – Aber richtig! Praktische Tipps & Checklisten für einen glücklichen Start in die Fremdbetreuung

** Renz-Polster, Herbert: Kinder verstehen: Born to be wild: Wie die Evolution unsere Kinder prägt (Kösel Verlag)

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