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Unerfüllter Kinderwunsch – eine Diagnose, die das Leben umkrempelt

Unerfüllter Kinderwunsch - eine Diagnose, die das Leben umkrempelt.

Wenn Paare die Diagnose „unfruchtbar“ oder „eingeschränkt fruchtbar“ erhalten, löst dies zunächst große Bestürzung und Hilflosigkeit der betroffenen Paare aus. Ein ersehnter Lebensplan kann zunächst mit dieser Diagnose nicht in Erfüllung gehen.

Die bekannten Erfolgsstrategien, wie Zielstrebigkeit, sich anstrengen, Ausdauer, Fleiß, Initiative etc. helfen ist dieser Situation nicht weiter; im Gegenteil: Wenn ein Kampf gegen das Nichtfunktionieren des Köpers geführt wird, wirkt dies eher kontraproduktiv.

 

Was hat Stress mit der Kinderlosigkeit zu tun?

Stress sind Belastungssituationen, die als unangenehm empfunden werden und auf die der Körper in bestimmter Weise antwortet: Er schüttet notwendige Hormone aus, z. B. Adrenalin, der Blutdruck und der Herzschlag erhöhen sich , die Schweißausschüttung steigert usw. Gesteuert wird diese körperliche Anpassung des Körpers vom Hypothalamus.

Unerfüllter Kinderwunsch stellt insofern eine Stressquelle dar, als dass dieser Zustand nicht persönlich beeinflussbar ist. Je mehr nun die Fokussierung auf das nicht Beeinflussbare gelegt wird, erhöht sich der Stresspegel durch die dadurch entstehende Sorge, das erwünschte Ziel nicht erreichen zu können.

Damit Ei- als auch die Samenbildung erfolgt, benötigt der Mann und die Frau bestimmte Botenstoffe, die jeweils zur richtigen Zeit vor Ort sind – die Hormone.

Die beiden wichtigen Hormone – bei beiden Geschlechtern – sind die Hormone FSH und LH. Beide stammen aus der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), die vom Zwischenhirn (Hypothalamus) gesteuert wird. Von dort aus werden die meisten Körperfunktionen autonom, d. h. selbständig reguliert (Herzschlag, Schlaf, Hunger, Durst, Verdauung, Atmung usw.)

Die Eierstöcke und die Hoden arbeiten ebenfalls eigenständig; auch diese werden von der Hypophyse und von dem Hypothalamus gesteuert.

Im Steuerzentrum (Hypothalamus) werden alle Reize, die von außen (Umwelt) oder innen (Gedanken, Erinnerungen) aufgenommen werden, verarbeitet und beurteilt, damit dem Körper die entsprechenden Signale zur notwendigen Reaktion gegeben werden können.

Der Körper orientiert sich somit an den Sinneseindrücken und reagiert mit den Körpervorgängen darauf.

Nur ist es so, dass der Körper nicht unterscheiden kann, ob es sich um reale Sinneseindrücke, wie z. B. akute Angstsituation handelt, oder ob diese Angst gedacht oder unbewusst empfunden wird, wie z. B. beim Anschauen eines Filmes. Der Körper reagiert auf den Reiz „Angst“ mit den entsprechenden Stresssymptomen, wie Flucht oder Angriff. Körperfunktionen, die nicht lebensnotwendig sind, z. B. die Fruchtbarkeit, werden eingestellt.

 

Betrachtet man die Kinderlosigkeit einmal aus dieser Perspektive, erscheint die Nichtschwangerschaft als natürliche Schutzfunktion und nicht als ein unlogisches Nichtfunktionieren des Körpers.

 

Wenn man die Ursache der Kinderlosigkeit bei den Wurzeln packen will, ist es sinnvoll zu überlegen, welche Belastungsfaktoren bestehen, die den Stresspegel des Körpers erhöhen.

 

Ursachen der Sterilität

Zunächst sei darauf hingewiesen, dass bei Kinderlosigkeit die Fertilitätsstörungen in ca. 40 – 45 % der Fälle beim Mann liegen. Die Ursachen unterscheiden sich in:

 

  1. Organische Ursachen

Diese werden hier nur beispielhaft aufgezählt, da eine Behandlung durch die Psychotherapie nicht möglich ist

 

bei der Frau:

  • verschlossene oder fehlende Eileiter
  • fehlende Eiterstöcke
  • Fehlbildung der Gebärmutter, Chromosomenanomalien

 

beim Mann:

  • Hodenhochsand
  • Varikozele
  • Infektion des Hodens/Nebenhodens
  • Blockierte (verschlossene) oder fehlende Samenleiter
  • Sertoli-cell-only-Syndrom
  • Hodentorsion
  • Störung der Hormonproduktion
  • Störung der Erbsubstanz

 

 

  1. funktionellen Störungen

 

Funktionelle Störungen sind Störungen, die eine Körperfunktion betreffen, z. B. Ausbleiben der Regel, zu hohe oder zu niedrige Hormonwerte, schwankende Samenqualität. Sie sind messbar, daher nachweisbar. Diese können sich jedoch wieder normalisieren.

An diesen Störungen sind immer psychische Prozesse beteiligt.

 

Typische Störungen der Frau:

  • Hormonstörungen (Erhöhung oder Erniedrigung FSH oder LH, Erhöhung Prolaktin und Schilddrüsenhormon). Diese Störungen können mit der Gabe von Hormonen und durch gleichzeitige Behandlung der psychischen Faktoren behandelt werden.
  • Sekundäre Amenorrhoe: Die Regelblutung bleibt länger als 4 Monate aus. Auch hier liegen meist psychische Ursachen zugrunde.

 

Typische Störungen beim Mann:

 

  • schwankende Spermienqualität, welche durch die Menge, Gestalt und Beweglichkeit bestimmt wird.

 

Es ist bewiesen, dass die Qualität großen Schwankungen unterliegt und auch psychische Belastungsfaktoren eine große Rolle spielen.

 

 

  1. ungeklärte Störungen

Ungeklärte (idiopatische) Störungen liegen dann vor, wenn organisch alles in Ordnung ist, es aber trotzdem nicht zu einer Schwangerschaft kommt.

Diese Situation ist für die meisten Paare besonders schwierig zu ertragen. Viel einfacher wäre es, wenn eine körperliche Störung der Grund für die fehlende Schwangerschaft wäre. Oft geht bei den Beteiligten Gefühle von Wut, Versagensgefühle, Minderwertigkeitsgefühle Neid, Hadern mit dem Schicksal, Depression einher.

 

Körper und Seele gehören und arbeiten zusammen, sie sind daher gleich wichtig. Kinderwunsch sollte im Zusammenhang verstanden werden, sowohl was Körper und Seele betrifft als auch das Umfeld, die einzelne Persönlichkeit und den Partner.

Gründe, warum die Seele den Körper schützt

Aus verschiedenen Gründen kann die Seele den Körper vor einer Schwangerschaft schützen. Das Nichtfunktionen bzw. die funktionelle Störung kann eine Anpassung des Körpers auf zu viel Druck von

– Außen

– durch äußere Umstände

– durch innere Konflikte, die teils unbewusst sind

– durch die Dynamik der Partnerschaft und auch

– durch medizinische Behandlungen

sein.

Nachfolgend gehe ich auf einige ausgewählte Punkte ein, wobei diese nicht einzeln zu betrachten sind, sondern oftmals fließend ineinander übergehen. Darüber hinaus gibt es noch viele weitere psychosoziale Gründe, die ebenfalls bedeutend und relevant für die ausbleibende Schwangerschaft sein können.

 

1. Die Partnerschaft

  1. Ungleicher Kinderwunsch

Es kann sein, dass der Kinderwunsch für den einen Partner wichtiger ist, als für den anderen. Dies kann einerseits entlastend wirken, da von einem Partner der Druck zum Erreichen des Zieles genommen wird. Der ungleiche Kinderwunsch kann aber auch das Gegenteil von Entlastung bewirken. So kann sich der eine Partner nur noch als „Fortpflanzungsobjekt“ fühlen und der andere Partner kann den Eindruck gewinnen, dass nicht genügend Wollen auf der Partnerseite vorhanden ist.

 

  1. Das Kind als Liebesbeweis für die Partnerschaft

Ein besonders hoher Druck entsteht, wenn die Partnerschaft nur als erfüllt und wertvoll angesehen werden kann, wenn ein Kind zur Familie gehört. Es kann die Überzeugung bestehen, dass das Erarbeitete nur sinnvoll erscheint, wenn es an die Kinder weitergegeben werden kann. Auch kann die Überzeugung bestehen, dass Familientraditionen nur wirklich bei Familien mit Kindern fortgeführt werden können.

Ebenfalls kann die Angst bestehen, dass sich ein Partner der Beziehung aufgrund der Kinderlosigkeit von dem anderen Partner abwendet.

 

  1. Schuldgefühle und Vorwürfe

Wenn der eine Partner „schuld“ an der Kinderlosigkeit ist, entstehen schnell Schuldgefühle gegenüber dem anderen Partner. „Er/Sie muss jetzt wegen mir diese Belastungen auf sich nehmen“.

Andererseits kann es auch zu Schuldzuschreibungen und Vorwürfen an den „schuldigen“ Partner kommen, dass sich dann ebenfalls als sehr belastend für die Partnerschaft und als großen Druck auswirkt.

d.   Die „Single-Beziehung“

Bei Partnerschaften, wo beide Partner eher ihre eigenen Wege gehen, kann ein Kind wieder eine engere Verbindung zwischen den Partnern herstellen. Es wird sozusagen als Klebstoff für die Beziehung gesehen.

Bei der Partnerin besteht dabei einerseits die Hoffnung, dass der Partner wieder mehr Zeit in sie investiert und andererseits erhofft sie sich durch den Familienzuwachs, wieder Liebe und Zärtlichkeit zu geben, was ja der Partner offensichtlich durch seine Abwesenheit nicht benötigt.

Der Partner sieht in dieser Beziehungssituation die Möglichkeit auf Entlastung seiner emotionalen Fürsorgepflicht, wie Zärtlichkeit und Nähe und kann nach Außen hin eine Familie präsentieren.

 

2. Die eigene Persönlichkeit

  1. Eigene Erfahrungen

Hier kann angeschaut werden, ob die im Laufe der Jahre entwickelten Selbstrepräsentationen, d. h. Sichtweisen, Eigenschaften, Wert und Gewohnheiten im Zusammenhang mit Körperfunktionen und dem Kinderwunsch störend sein kann. Welche Lebenseinstellung konnte sich entwickeln in Bezug auf Vertrauen, Autonomie, Beziehung, Verantwortung, Eigeninitiative, Selbstvertrauen und Kontrollbedürfnis?

Auch können erworbene Rollenbilder auf die Psyche und damit auf den Körper einwirken. Es können z. B. Gedankenmuster, wie „Nur durch eine Schwangerschaft/Zeugungsfähigkeit fühle ich mich wie eine ganze Frau/ganzer Mann.“ unbewusst wirken.

b.   Idealvorstellungen der Elternschaft

In einer rückblickenden Studie wurden Paare, die entweder mit Spendersamen oder IVF zu einem Kind kamen, mit Paaren verglichen, die auf natürliche Weise Eltern wurden. In der Studie ging man vor allem der Frage noch, wie hoch der Anspruch an die Mutter- und Vaterrolle ist. Statistisch auffällig war, dass Paare die weitaus höhere Idealvorstellungen vom Muttersein aufwiesen, diejenigen waren, die mit Unterstützung schwanger wurden. (Fiegl, Kemeter 1991).

Auch die zu hohen Ansprüche an die Mutter- und Vaterschaft („Ich muss mich für mein Kind aufopfern.“) können dazu beitragen, dass der Körper das Schwangerwerden verweigert. Sollte es dann zu einer Schwangerschaft kommen, beginnt ein Leben, dass fast eine Selbstaufgabe bedeutet und ausschließlich von persönlichen Einschränkungen geprägt wäre.

 

3. Persönliche Biografie

Mit der Entscheidung, schwanger zu werden und ein Kind zu bekommen, werden auch immer die eigenen Erfahrungen aus der Kindheit aktiviert; die Gefühle, Erinnerungen, Ängste und Wünsche aus der Perspektive des Kindes, das man einmal war, kommen wieder hoch.

Auch können manchmal Erzählungen oder biografische Ereignisse, die miterlebt wurden, die unbewusst die Schwangerschaft blockieren.

Auch können „Aufträge“ aus der Kindheit oder der Adoleszenz mit in das Erwachsenenalter herübergenommen worden sein („Um Himmels Willen – nur keine Kinder!“, „Krieg bloß keine Kinder, die machen nur Arbeit und kosten Geld!“, „Wie gerne hätte ich … gelernt. Aber dann bin ich schwanger geworden…“).

Ebenso kann der Wunsch des Vaters, lieber einen Sohn gehabt zu haben, Frauen daran hindern, sich selbst als Frau weniger wertzuschätzen.

Diese Botschaften können sich als Schuldgefühle oder als Warnungen tief in die Erinnerung einprägen.

Ferner können die bereits erlebten Lebenserfahrungen die Schwangerschaft behindern. Dies können z. B. traumatische Erlebnisse früherer Schwangerschaften oder auch auf der Männerseite in der Vergangenheit gemachte negative Erfahrungen bezüglich schon vorhandener Kinder und der Trennung von diesen sein.

Da der Körper keinen Unterschied zwischen vergangenen Emotionen, die gedanklich hervorgerufen werden, und aktuellen Emotionen macht, reagiert er in jedem Fall mit Schutzreaktionen gegen den Stress.

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